Karriere · Berufsträger

Steuerberater werden ohne Studium: Zulassung, Examen, Realität

Der Weg über die Praxis ist offen, aber lang. Was das Steuerberatungsgesetz an Berufsjahren verlangt, wie das Examen abläuft, was es kostet und wie viele daran scheitern.

Kurz gesagt

Steuerberater wird man auch ohne Studium: Wer eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hat, wird nach zehn Jahren praktischer Tätigkeit im Steuerwesen zur Prüfung zugelassen — mit dem Abschluss als Steuerfachwirt oder geprüfter Bilanzbuchhalter bereits nach sieben Jahren. Das Examen besteht aus drei sechsstündigen Klausuren und einer mündlichen Prüfung; die Durchfallquote liegt seit Jahren bei rund der Hälfte der Kandidaten.

Zugang ohne Studiumkaufmännische Ausbildung + 10 Jahre Praxis im Steuerwesen
Mit Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter7 Jahre Praxis
Mit Studium2 Jahre (Regelstudienzeit ab 4 Jahren) bzw. 3 Jahre Praxis
Schriftliche Prüfung3 Klausuren à 6 Stunden, jeweils im Oktober
Anmeldungin der Regel bis Ende April bei der zuständigen Steuerberaterkammer
KostenPrüfungsgebühr im vierstelligen Bereich, Vorbereitungskurse meist 3.000 – 8.000 €
Erfolgsquoteseit Jahren rund die Hälfte der Kandidaten besteht

Wer überhaupt zugelassen wird

Die Zulassung regelt § 36 des Steuerberatungsgesetzes, und sie kennt zwei Wege. Der akademische Weg führt über ein wirtschafts- oder rechtswissenschaftliches Studium: Bei einer Regelstudienzeit von mindestens vier Jahren genügen anschließend zwei Jahre praktische Tätigkeit, bei kürzeren Studiengängen sind es drei Jahre.

Der praktische Weg steht allen offen, die eine kaufmännische Ausbildung oder eine andere gleichwertige Vorbildung abgeschlossen haben. Hier verlangt das Gesetz zehn Jahre Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern. Wer zwischendurch die Prüfung zum Steuerfachwirt oder zum geprüften Bilanzbuchhalter besteht, verkürzt diese Zeit auf sieben Jahre.

Praktische Tätigkeit heißt dabei mindestens 16 Wochenstunden. Teilzeit unterhalb dieser Grenze zählt nicht mit — ein Punkt, der bei der Planung regelmäßig übersehen wird und am Ende Jahre kosten kann.

  • Ohne Studium: abgeschlossene kaufmännische Ausbildung und 10 Jahre Praxis
  • Mit Steuerfachwirt oder geprüftem Bilanzbuchhalter: 7 Jahre Praxis
  • Bachelor oder vergleichbar: 3 Jahre Praxis
  • Diplom, Master oder Studium ab 4 Jahren Regelstudienzeit: 2 Jahre Praxis
  • Mindestumfang der anrechenbaren Tätigkeit: 16 Wochenstunden

Der Steuerfachwirt verkürzt den Weg um drei volle Berufsjahre. Wer das Examen ernsthaft plant, sollte ihn deshalb früh angehen — nicht erst kurz vor der Anmeldung.

Wie das Examen abläuft

Die Prüfung findet einmal jährlich statt. Der schriftliche Teil besteht aus drei Klausuren von je sechs Stunden, üblicherweise im Oktober an drei aufeinanderfolgenden Tagen: Verfahrensrecht und andere Steuerrechtsgebiete, Ertragsteuerrecht sowie Buchführung und Bilanzwesen. Die Anmeldung läuft über die Steuerberaterkammer des Bundeslandes und muss in der Regel bis Ende April eingereicht sein.

Wer den schriftlichen Teil besteht, wird zur mündlichen Prüfung geladen — meist im Frühjahr des Folgejahres. Sie besteht aus einem Kurzvortrag und mehreren Prüfungsabschnitten vor einem Prüfungsausschuss. Zwischen Anmeldung und Bestellung vergehen damit realistisch anderthalb Jahre.

Die Vorbereitung läuft fast immer berufsbegleitend über Lehrgänge, die ein bis zwei Jahre dauern. Neben der Kursgebühr ist der eigentliche Einsatz die Zeit: Klausurenkurse an Wochenenden, Wiederholungsphasen am Abend, dazu die Arbeit in der Kanzlei.

Was das Examen kostet — in Geld und in Zeit

Die Gebühren setzen die Kammern selbst fest; für Zulassung und Prüfung zusammen liegt man im niedrigen vierstelligen Bereich. Den größeren Posten machen die Vorbereitungslehrgänge aus, die je nach Anbieter und Umfang meist zwischen 3.000 und 8.000 Euro liegen.

Ein Teil der Kanzleien beteiligt sich an diesen Kosten oder stellt für die Vorbereitungsphase frei. Wo das der Fall ist, steht in aller Regel eine Rückzahlungsklausel im Vertrag. Sie ist zulässig, muss aber die Bindungsdauer im Verhältnis zur Fortbildungsdauer halten und den Betrag monatlich anteilig verringern — pauschale Klauseln ohne Staffelung sind regelmäßig unwirksam.

Die ehrlichste Rechnung ist die über die Jahre: Wer den praktischen Weg geht, investiert ein Jahrzehnt Berufszeit, bevor er überhaupt antreten darf. Das ist kein Argument gegen den Weg — aber eines dafür, ihn bewusst zu planen statt nebenbei mitlaufen zu lassen.

Rechnen Sie mit anderthalb Jahren zwischen Anmeldung und Bestellung und mit ein bis zwei Jahren Vorbereitung davor.

Die Alternative, über die selten gesprochen wird

Nicht jeder, der über das Examen nachdenkt, will wirklich Berufsträger werden. Häufig steckt hinter dem Gedanken etwas anderes: mehr Verantwortung, ein anderes Gehaltsniveau, komplexere Mandate. Diese drei Dinge lassen sich auch ohne Examen erreichen — über den Steuerfachwirt, über eine Spezialisierung oder über den Wechsel in eine Kanzlei, die anders arbeitet.

In unserer Vermittlungspraxis ist das der häufigste Fall: Jemand plant das Examen, weil die aktuelle Kanzlei keine Entwicklung anbietet. Nach einem Wechsel in eine Kanzlei mit größeren Mandaten stellt sich die Frage oft neu — manchmal beantwortet sie sich zugunsten des Examens, manchmal erledigt sie sich.

Häufige Fragen

Steuerberater werden ohne Studium: Zulassung, Examen, Realität: häufige Fragen

Kann man ohne Abitur Steuerberater werden?+

Ja. Das Steuerberatungsgesetz verlangt kein Abitur und kein Studium, sondern eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung und zehn Jahre praktische Tätigkeit im Steuerwesen — mit Steuerfachwirt oder geprüftem Bilanzbuchhalter sieben Jahre.

Wie hoch ist die Durchfallquote beim Steuerberaterexamen?+

Das Examen gilt als eine der schwierigsten Berufsprüfungen in Deutschland; seit Jahren besteht etwa die Hälfte der Kandidaten. Die genauen Quoten schwanken je nach Prüfungsjahr und Bundesland und werden von den Kammern veröffentlicht.

Kann ich die Prüfung wiederholen?+

Die Prüfung kann zweimal wiederholt werden. Weil zwischen den Prüfungsterminen jeweils ein Jahr liegt, sollte man die Wiederholung von Anfang an in die Lebensplanung einbeziehen statt sie als Ausnahmefall zu behandeln.

Zählt Teilzeit als praktische Tätigkeit?+

Nur oberhalb von 16 Wochenstunden. Wer längere Zeit in geringerem Umfang gearbeitet hat, sollte die anrechenbaren Zeiten frühzeitig mit der zuständigen Kammer klären — nachträglich lässt sich daran nichts korrigieren.

Zahlt die Kanzlei die Vorbereitungskurse?+

Manche beteiligen sich, andere stellen für die Vorbereitung frei, viele tun beides nicht. Wo die Kanzlei zahlt, steht fast immer eine Rückzahlungsklausel im Vertrag — sie muss gestaffelt sein und die Bindungsdauer im Verhältnis zur Fortbildungsdauer halten, sonst ist sie unwirksam.

Stand: August 2026 · Herausgeber: kanzleifit, eine Marke der Heidemann Elbe GmbH, Hamburg. Die rechtlichen Angaben sind eine allgemeine Einordnung der Rechtslage in Deutschland und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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