Der Steuerfachwirt gilt als der logische nächste Schritt für Steuerfachangestellte – mehr Verantwortung, mehr Gehalt, mehr Perspektive. Aber lohnt er sich wirklich? Die ehrliche Antwort: es kommt auf deine Situation an. Und in manchen Fällen gibt es einfachere Wege.
Hier sind die echten Zahlen – damit du die Entscheidung mit offenem Blick treffen kannst.
Was der Steuerfachwirt kostet – und was er bringt
Der Lehrgang dauert in der Regel zwei Jahre berufsbegleitend. Das bedeutet: Abende und Wochenenden lernen, während du arbeitest. Die Abschlussprüfung beim Steuerberaterinstitut umfasst einen schriftlichen und einen mündlichen Teil.
Die Kosten variieren je nach Anbieter deutlich. Bekannte Anbieter wie Endriss oder Lippold liegen typisch zwischen 3.000 und 6.000 € – je nachdem ob du das Skript selbst kaufst, Seminare einzeln buchst oder ein Vollpaket nimmst. Hinzu kommen Prüfungsgebühren und, wenn du Urlaub nimmst für Blockseminare, auch entgangenes Einkommen.
| Steuerfachangestellte (ohne StFW) | Steuerfachwirt | |
|---|---|---|
| Ø Jahresgehalt | ca. 41.500 € | ca. 44.200 – 56.000 € |
| Gehaltsboost | – | +15 bis +30 % typisch |
| Kosten Weiterbildung | – | 3.000 – 6.000 € |
| Dauer bis zum Abschluss | – | ca. 2 Jahre |
| Break-even | – | ca. 1–2 Jahre nach Abschluss |
Der Gehaltsboost hängt stark davon ab, in welcher Kanzlei du danach tätig bist. Nicht jede Kanzlei vergütet den StFW automatisch höher.
Wann sich der Steuerfachwirt lohnt
Es gibt klare Szenarien, in denen die Weiterbildung sinnvoll ist:
- ✓Du willst langfristig in Richtung Steuerberaterexamen – der StFW ist ein guter Zwischenschritt
- ✓Du möchtest Teamleitung oder fachliche Führung übernehmen und brauchst den formalen Nachweis
- ✓Deine aktuelle Kanzlei hat eine klare Vergütungsstruktur, die den StFW honoriert
- ✓Du bist in einem Umfeld, das stark auf Qualifikationen schaut (z.B. große Kanzlei, spezielle Mandate)
- ✓Du machst es aus echtem Interesse am Fach – nicht nur wegen dem Gehalt
Wann er sich nicht lohnt – zumindest nicht sofort
Es gibt aber auch Situationen, in denen der StFW nicht die effizienteste Lösung für dein eigentliches Ziel ist:
- →Du fachlich wachsen willst
- →Du eine klare Karriereperspektive hast
- →Deine Kanzlei den Abschluss belohnt
- →Du Richtung StB willst
- →Du primär mehr Gehalt willst
- →Deine Kanzlei undankbar ist
- →Du 2 Jahre neben dem Job kaum stemmen kannst
- →Der Markt gerade sehr gut ist
Gehaltsboost durch Weiterbildung oder Kanzleiwechsel – lass uns reden.
Rückruf anfragenDie Alternative: Kanzleiwechsel als direkter Gehaltsboost
Ein gut platzierter Kanzleiwechsel kann den gleichen Gehaltssprung bringen wie der Steuerfachwirt – nur in drei Monaten statt in zwei Jahren. Wer von einer kleinen Kanzlei in eine mittelgroße mit Unternehmensmandat wechselt, kann realistisch 300–600 € mehr im Monat einsteigen. Ohne Prüfungsstress, ohne Lehrgangskosten.
Das bedeutet nicht, dass der Steuerfachwirt sinnlos ist. Aber es lohnt sich, beide Optionen zu kennen und zu vergleichen – bevor du dich zwei Jahre in einen Lehrgang stürzt.
Voraussetzungen für den Steuerfachwirt
Zur Vollständigkeit die formalen Voraussetzungen:
- →Abgeschlossene Ausbildung als Steuerfachangestellte/r
- →Mindestens 3 Jahre Berufserfahrung im Steuerbereich (in manchen Instituten 2 Jahre)
- →Anmeldung beim zuständigen Steuerberaterinstitut der jeweiligen Kammer
- →Bestehen der schriftlichen Prüfungen (typisch: 4–5 Klausuren) und mündliche Prüfung
Fazit: Ja – aber nicht für jeden und nicht immer
Der Steuerfachwirt ist eine solide Investition in deine Karriere – wenn du die Voraussetzungen mitbringst, das Umfeld stimmt und du auch inhaltlich wachsen willst. Wer aber primär mehr Geld verdienen will, sollte zuerst prüfen, ob ein Wechsel nicht der direktere Weg ist.
Zwei Jahre Lehrgang neben dem Vollzeitjob sind kein kleines Commitment. Triff die Entscheidung mit Bedacht – und nicht nur weil andere es auch machen.