Ratgeber für Kanzleien

Personalvermittlung auswählen: Woran Kanzleien einen passenden Partner erkennen

Spezialist oder Generalist, Erfolgsbasis oder Retainer, seriöse Zusage oder Verkaufsversprechen: Ein Leitfaden für die Auswahl eines Vermittlungsdienstleisters, mit konkreten Fragen für das Erstgespräch und den Antworten, die zum Nachhaken einladen.

Zuerst klären: Welche Leistung brauchen Sie überhaupt?

Die Angebote im Markt unterscheiden sich stärker, als die Begriffe vermuten lassen. Eine Personalvermittlung sucht und stellt vor, der Arbeitsvertrag entsteht direkt zwischen Ihnen und der Person. Eine Recruiting-Agentur schaltet in vielen Fällen Anzeigen und leitet eingehende Bewerbungen weiter. Zeitarbeit ist etwas anderes und für dauerhafte Kanzleistellen selten die passende Form.

Klären Sie im zweiten Schritt Ihren eigenen Bedarf. Eine einzelne Vakanz, die seit acht Wochen offen ist, verlangt einen anderen Zuschnitt als ein wiederkehrender Bedarf über mehrere Standorte oder eine schwer besetzbare Position mit Nachfolgeperspektive.

Klären Sie zuletzt, wer bei Ihnen entscheidet. In vielen Kanzleien entscheiden mehrere Partner gemeinsam, aber niemand fühlt sich für den Prozess zuständig. Benennen Sie eine Person mit Entscheidungsbefugnis, bevor Sie beauftragen. Diese Festlegung wirkt sich stärker auf die Besetzungsdauer aus als die Wahl des Dienstleisters.

Spezialist oder Generalist

Ein Generalist bringt einen breiten Pool und Erfahrung über viele Branchen mit, muss die Sprache Ihres Fachs aber erst lernen. Das ist in Kanzleiberufen ein handfestes Problem, weil die Unterschiede in den Anforderungen fein sind und in Stellenausschreibungen selten sauber abgebildet werden.

Ein spezialisierter Dienstleister weiß, dass Lohnbuchhaltung, Finanzbuchhaltung und Jahresabschluss unterschiedliche Menschen ansprechen, welche Rolle ein Steuerfachwirt gegenüber einem Bilanzbuchhalter einnimmt und was DATEV-Kenntnis in der Praxis bedeutet, statt sie als Schlagwort abzuhaken. Er kennt außerdem die Kammerlogik, die Verschwiegenheitspflicht und die Tatsache, dass in einem Team von acht Personen jede Besetzung sichtbar ist.

Der Spezialist hat einen Nachteil, nach dem Sie ausdrücklich fragen sollten: Er betreut möglicherweise weitere Kanzleien in Ihrer Region und bietet denselben Kandidaten mehreren Häusern an. Fragen Sie, wie viele Mandate im Umkreis laufen und ob es Sperrfristen für bestehende Kunden gibt.

Für eine Kanzlei in einer Großstadt mit vielen Kandidaten kann ein Generalist genügen. Für eine Kanzlei im ländlichen Raum, wo der Pool klein und die Ansprache heikel ist, wiegt die Branchenkenntnis in aller Regel schwerer.

Erfolgsbasis, Retainer oder Festpreis

Bei rein erfolgsbasierten Modellen zahlen Sie nur im Erfolgsfall. Klassische Personalberatungen und Headhunter berechnen dafür in der Regel 20 bis 30 Prozent des Jahresbruttogehalts, 30 Prozent sind inzwischen verbreitet. Der Nachteil liegt in der Aufmerksamkeit: Ihr Auftrag konkurriert mit anderen Mandaten, die ebenfalls nur im Erfolgsfall vergütet werden.

Beim Retainer zahlen Sie in Raten, oft bei Auftragserteilung, bei Vorlage der Shortlist und bei Vertragsunterzeichnung. Sie erhalten dafür Exklusivität und eine planbare Bearbeitung, tragen aber das Risiko, wenn die Suche nicht zum Ziel führt. Für Kanzleien lohnt das vor allem bei Berufsträgerpositionen und Nachfolgethemen.

Ein Festpreis ist unabhängig vom Gehalt und damit gut planbar. Er ist tendenziell günstig bei höher dotierten Stellen und vergleichsweise teuer bei Positionen im unteren Gehaltsbereich. Rechnen Sie beide Varianten für Ihre konkrete Stelle durch, bevor Sie sich für ein Modell entscheiden.

Zum Vergleich lohnt der Blick auf die Eigensuche. StepStone-Pakete liegen je Stelle zwischen 249 und 2.499 Euro, für Indeed sind Budgets von rund 430 bis 800 Euro je Stelle üblich. Diese Beträge fallen unabhängig davon an, ob eine geeignete Bewerbung eingeht, und die interne Zeit für Sichtung, Terminierung und Absagen kommt hinzu.

Vergleichen Sie nicht Prozentsätze, sondern die Gesamtkosten je erfolgreicher Besetzung, einschließlich der Zeit, die Ihr Team investiert.

Sieben Fragen für das Erstgespräch

Ein Erstgespräch ist keine Präsentation, sondern eine gegenseitige Prüfung. Die folgenden Fragen lassen sich in zwanzig Minuten stellen und trennen zuverlässig zwischen einem strukturierten Anbieter und einem gut vorbereiteten Verkaufsgespräch.

Notieren Sie die Antworten. Wenn Sie zwei oder drei Anbieter sprechen, sind die Unterschiede in der Rückschau deutlich klarer als im Gespräch selbst.

  • Wer bearbeitet mein Mandat konkret, und spreche ich später mit derselben Person?
  • Wie viele Kanzleien betreuen Sie derzeit in meinem Umkreis, und gelten Sperrfristen?
  • Wie viele Profile stellen Sie vor, und wie genau sieht Ihre Vorprüfung aus?
  • Was tun Sie, wenn Sie nach vier Wochen niemanden gefunden haben?
  • Wann wird das Honorar fällig, und auf welche Bezugsgröße rechnen Sie es?
  • Welche Garantie gilt, ab wann läuft die Frist, und welche Ausschlüsse gibt es?
  • Wie stellen Sie sicher, dass meine Suche im regionalen Markt nicht bekannt wird?

Antworten, die zum Nachhaken einladen

Nicht jede unglückliche Formulierung ist ein Ausschlusskriterium. Aber es gibt Muster, die sich in der Rückschau regelmäßig als Vorboten einer schwierigen Zusammenarbeit erweisen. Die häufigste ist die Zusage, den passenden Kandidaten bereits in der Datenbank zu haben, bevor überhaupt ein Briefing stattgefunden hat.

Ähnlich aufschlussreich ist es, wenn im gesamten Gespräch keine einzige Frage zu Ihrer Kanzlei, Ihrem Team oder Ihrer Mandantenstruktur gestellt wird. Wer nicht fragt, kann später auch keinem Kandidaten erklären, warum ausgerechnet Ihre Kanzlei interessant ist.

  • Der passende Kandidat ist angeblich schon vorhanden, noch vor dem Briefing
  • Eine Besetzungszusage ohne Kenntnis Ihres Gehaltsbands
  • Zwölf oder mehr Lebensläufe werden als Leistungsnachweis angeboten
  • Ausweichende Antwort auf die Frage, wer den Auftrag tatsächlich bearbeitet
  • Die Garantie wird beworben, die Bedingungen stehen erst im Vertrag
  • Zeitdruck auf die Unterschrift durch befristete Konditionen
  • Keine einzige Rückfrage zu Kanzlei, Team oder Mandantenstruktur

Qualität erkennen, bevor Sie beauftragen

Verlangen Sie zwei bis drei Referenzkanzleien, die Sie anrufen dürfen. Eine Logoleiste auf der Website sagt nichts über die Zusammenarbeit aus, ein zehnminütiges Telefonat mit einem Kollegen dagegen sehr viel. Fragen Sie dort gezielt nach der Dauer bis zur ersten Vorstellung und danach, wie mit einem Garantiefall umgegangen wurde.

Lassen Sie sich ein anonymisiertes Kandidatendossier zeigen. Es geht nicht um den Inhalt, sondern um die Struktur: Steht dort nur ein Lebenslauf, oder finden sich Wechselmotiv, Gehaltsvorstellung, Kündigungsfrist und eine Einschätzung des Beraters? Der Unterschied zeigt, wie viel Vorarbeit Sie tatsächlich einkaufen.

Beobachten Sie die eigene Reaktionszeit des Anbieters. Wer vor der Beauftragung zwei Tage für eine Antwort braucht, wird nach der Beauftragung nicht schneller. Dasselbe gilt für die Art, wie er mit Kandidaten kommuniziert: Diese Tonalität trifft später Ihre Wunschkandidaten und fällt auf Ihre Kanzlei zurück.

Diskretion als Auswahlkriterium

Der Markt für Kanzleifachkräfte ist regional überschaubar. Eine offene Stellenanzeige signalisiert Mandanten, Mitarbeitern und Kollegen, dass etwas in Bewegung ist. Das ist besonders heikel, wenn hinter der Vakanz ein Weggang, eine Nachfolge oder eine Umstrukturierung steht.

Fragen Sie deshalb konkret: Ab wann wird mein Kanzleiname gegenüber Kandidaten genannt? Wer im Team des Dienstleisters erfährt vom Mandat? Wie werden Bewerberdaten gespeichert, und wann werden die Unterlagen abgelehnter Kandidaten gelöscht? Eine belastbare Antwort auf diese drei Fragen sagt mehr über die Arbeitsweise aus als jede Referenzliste.

Berufsrechtlich relevant ist zudem die Verschwiegenheitspflicht. Mandatsbezogene Informationen gehören in keinen Vermittlungsprozess, auch nicht bei einem Probearbeitstag. Ein Dienstleister, der die Kanzleiwelt kennt, bringt diesen Punkt von sich aus zur Sprache, statt darauf zu warten, dass Sie ihn ansprechen.

Wir haben uns bei kanzleifit auf Steuer- und Rechtsanwaltskanzleien festgelegt und arbeiten mit diskreter Suche ohne Stellenanzeige. Sie erhalten persönlich vorgeprüfte Kandidaten, im Schnitt Ø 21 Tage bis zur ersten Einstellung, eine schriftlich garantierte Einstellung und ein Honorar, das rund 50 % günstiger liegt als bei klassischen Personalberatungen. Die konkreten Konditionen nennen wir Ihnen im Erstgespräch verbindlich.

Prüfen Sie einen Dienstleister so, wie Sie einen neuen Mandanten prüfen würden: an den Fragen, die er stellt, und nicht an den Antworten, die er vorbereitet hat.

Häufige Fragen

Was Kanzleien uns dazu fragen

Was kostet eine Personalvermittlung für Kanzleien?+

Klassische Personalberatungen und Headhunter berechnen in der Regel 20 bis 30 Prozent des Jahresbruttogehalts, 30 Prozent sind inzwischen verbreitet. Daneben gibt es Retainer- und Festpreismodelle. Wir liegen rund 50 % günstiger als klassische Personalberatungen und nennen Ihnen die konkreten Konditionen im Erstgespräch verbindlich.

Lohnt sich ein Spezialist gegenüber einem Generalisten?+

In der Regel ja, weil die Unterschiede zwischen den Kanzleiberufen fein sind und in Ausschreibungen selten sauber abgebildet werden. Fragen Sie den Spezialisten aber, wie viele Kanzleien er in Ihrem Umkreis betreut und ob Sperrfristen für bestehende Kunden gelten.

Woran erkenne ich einen unseriösen Anbieter?+

Typische Muster sind Besetzungszusagen ohne Briefing, Garantieversprechen ohne einsehbare Bedingungen, Zeitdruck auf die Unterschrift und eine große Zahl an Lebensläufen als angeblicher Leistungsnachweis. Ein Anbieter, der keine Fragen zu Ihrer Kanzlei stellt, kann Kandidaten später auch nichts über Sie erzählen.

Sollte ich mehrere Dienstleister parallel beauftragen?+

Im überschaubaren Kanzleimarkt selten sinnvoll. Doppelansprachen derselben Person fallen auf und schaden Ihrem Ruf als Arbeitgeber. Ein befristeter Exklusivauftrag mit klarer Kündigungsmöglichkeit ist meist die bessere Konstruktion.

Wie vergleiche ich Angebote sinnvoll?+

Nicht über den Prozentsatz allein. Rechnen Sie das Honorar auf Ihre konkrete Stelle um, addieren Sie Fälligkeit und Zahlungsziel, bewerten Sie Garantiefrist und Ausschlüsse und schätzen Sie die interne Zeit, die Sie im jeweiligen Modell selbst investieren.

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